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Moskau

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

„Moskau, Moskau, Moskau ist ’ne schöne Stadt …“

Eben deswegen muss man unbedingt hinfahren, und das habe ich letzte Woche auch mal gemacht. Bevor es losgehen konnte hieß es allerdings:

(1) Einladung von privat o. (wie in meinem Fall) von berufswegen ergattern

(2) Visa beantragen und dann mit gültigem Reisepass zum nächsten Russischen Konsulat gehen, 2 Wochen warten, dann wieder hingehen und Visa abholen. Zwischendurch kann man die Zeit ja schon mal nutzen um sich einen Lonely Planet zu besorgen und nach günstigen Last Minute Flügen Ausschau  halten.

(3) Dann noch ein bisschen Russisch lernen, insbesondere die Kenntnis des kyrillischen Alphabets ist ungemein hilfreich, wenn man später in Moskau’s Metro und mit den Straßenschildern zurecht kommen will/muss. Gott sei Dank hatte man als Ossi (über 30) vor ewiger Zeit mal Russich in der Schule, somit musste ich nicht bei Null anfangen,     отлично!

So, und dann, nach ca. 2 1/2 Stunden Flug von Berlin-Tegel nach Moskau-Domodedovo  plus 45 minütigem Trip mit dem Aeroexpress nach Paveleckaja станция, ist man da. Was nun? Okay, erst mal ein Ticket für die Metro kaufen – am besten gleich ein 10er Ticket für 120 Rubel (ca. 3,- €). Dieser erste Schritt wäre bei mir schon fast gescheitert, denn man kommt zum Metro Ticketschalter in der Paveleckaja nur durch ein Drehkreuz, für das man ein Ticket braucht – ein klassiches Henne-Ei Problem also. Solange einem keiner sagt, dass man sein Aeroexpress-Ticket nehmen muss um durch das Drehkreuz zum Metro-Ticketschalter zu gelangen, hat man ein echtes Problem. Mit etwas Deutsch/Russich-Kauderwelsch, gemixt mit einer Menge Pantomime und nach 3-maligem Anlauf, schaffte ich es dann doch noch die schon ziemlich genervte Frau am Aeroexpress Ticketschalter (vor dem Drehkreuz; verkauft keine Metro-Tickets!!!) dazu zu bringen mir mit einer Hand das Aeroexpress Ticket vor die Nase zu halten und mit der anderen Hand auf das Drehkreuz zu zeigen, so dass dann bei mir endlich der Groschen fiel.

Danach ging alles wie geschmiert. Rein in die Metro und ab zum Hotel, denn die ersten 3 Tage waren ein Buisness-Trip – lange Geschichte, wenig interessant und deshalb hier nicht weiter erläutert.

Die letzten 2 Tage der Woche, von Fr-Sa hatte ich jedoch zu meiner freien Verfügung und zog sowohl aus Kostegründen, als auch wegen des Spaßfaktors in das Napoleon Hostel, welches nur 20min zu Fuß entfernt ist vom крацная площадь – was übersetzt soviel wie „Schöner Platz“ (tatarisch) oder aber „Roter Platz“ (slawisch) heißt. Welche Deutung richtig ist, dass weiß man nicht so genau; beide Übersetzungen treffen jedoch zu 100% zu !!

Das Napoleon Hostel ist echt spitze. Im Vergleich zu meinem Hotel der ersten Tage kostet hier eine Übernachtung weniger als 1/10 und man hat (im Vergleich zum teuren Hotel) kostenlosen WiFi-Zugang. Die Gäste dort waren bunt gemischt: Russen, Amis, Australier, Engländer, Mexikaner, Höllander und, siehe da, 3 Dresdner.

Am ersten Tag stand auch gleich ein Ausflug zum Roten Platz, dem Kreml und des GUM Kaufhauses an. Leider gab es zwischendurch immer wieder heftige Regenschauer (normal zu dieser Jahreszeit), aber der Trip war trotzdem beeindruckend. Im Kreml selbst war ich zwar nicht drin, denn man darf nur mit „leichtem Gepäck“ rein und muss oben drein noch einen Haufen Geld zahlen, aber das was man von außen sieht – Basilius Kathedrale, Lenin-Mausoleum, Erlöser Turm, Nikolaus Turm, Senatstrum, Arsenalsturm, Auferstehungstor und Alexandergarten sind imposant genug. Im GUM Kaufhaus habe ich dann noch einen чай getrunken und dann gings wieder zurück ins Hostel. Im Hostel gab es neben Becks (mein Hausbier) das lokale Sibirska Korona Bier zu kaufen. Kann man eigentlich nur empfehlen, ist auch nur halb so teuer wie importierte Biere.

Für den zweiten Tag hatte ich mir einen Stadtrundgang zu den Schauplätzen des Romans Meister und Magrita von Michael Bulgakov vorgenommen. Unter anderem waren dies das Paschkov Haus (nähe Lenin Biliothek), auf dessen Dach das Finale zwischen Voland (Teufel) und „Ihm“ (Gott) stattfindet, das Wohnhaus Nr. 10 in dessen Wohnung Nr. 50 Voland und seine Spießgesellen hausten (übrigens hat hier Bulgakov mit seiner Frau wirklich von 1921-1924 gewohnt!!), die Pariarchenteiche in der Malaja Bronnaja Uliza (Stadteil Tverskoy), an denen das Buch mit einem „Todesfall“ (Straßenbahn überfährt Direktor Berlioz, der seinen Kopf verliert) beginnt. Das Wetter war an diesem Tag besser, die Sonne schien fast den ganzen Tag ungetrübt, und es war merklich wärmer.

Am Ende des zweiten Tages stand dann noch die obligatorische Rundfahrt mit der Moskauer Metro zu den schönsten Metro-Stationen an. Selbst wenn das überirdische Moskau von heute auf morgen platt gemacht würde, wäre allein das unterirsche Moskau mit seinen monumentalen Metro-Stationen immer noch eine Reise wert. Die mit Abstand imposantesten Stationen sind Majakovskaja,  Kiewskaja, Novoslobodskaja und die Komsomolskaja. Jede Station ist etwas anders, jedoch ist allen Stationen gemeinsam, dass hier Mamor für die Füßböden verwendet wurde und die Palast-ähnlichen Gewölbe mit Stuck und Kronleuchtern (!) verziert sind. Manche der Station liegen so tief, dass die Rolltreppen in den Untergrund so lang sind, dass man am Anfang das jeweilige andere Ende der Rolltreppe nicht sehen kann; auch fahren die Rolltreppen fühlbar schneller als sonst wo.

Die letzte Aktion des zweiten Tages war dann noch der Spaziergang über den (alten) Arbat, der Flaniermeile von Moskau. War aber nicht so toll, denn dies ist die typische Touristenfalle mit den üblichen Drumherum. Das einzige Interessante auf dem Arbat war an diesem Tag eine Hare-Krishna Demonstration.

Fazit: Moskau ist anders. Es ist die größte europäische Stadt, aber völlig verschieden von London, Paris, Amsterdam, Berin, Stockholm, Barcelona, Lissabon, etc. Zwei oder drei Tage reichen beweitem nicht aus um alles zu sehen. Schon gar nicht, wenn man auch mal ins Nachtleben eintauchen will (das Проект О.Г.И. ist übrigens vorrübergehend geschlossen).  Die Dichte an schönen Frauen ist hier mindesten genau so hoch, wie die Dichte an Polizei und Patroullien des Innenministeriums, welche quasi an jeder Ecke stehen. Englisch versteht kaum jemand auf der Straße, und selbst wenn, dann ist (glaube ich) die Bereitschaft Englisch zu antworten mindestens genauso gering wie in Frankreich.

пока! до свидания!